Acht Messungen zeigen, wie gesund Ihre Augen sind
Jede Untersuchung beim Augenarzt beantwortet eine eigene Frage. Der Sehtest prüft, wie scharf Sie sehen. Ein Mikroskop mit einem schmalen Lichtstrahl zeigt die vorderen Teile des Auges. Die Druckmessung zeigt den Druck im Auge, und die Augenspiegelung zeigt Netzhaut und Sehnerv am Augenhintergrund. Die Gesichtsfeldmessung zeigt, ob Ihnen Bereiche im Blickfeld fehlen.
Eine Fachleitlinie des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA) und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) legt fest, was zu jeder Grunduntersuchung gehört. Fünf Bausteine sind danach immer Pflicht:
- Der Sehtest mit den Brillenwerten
- Die Prüfung von Augenstellung und Pupillen
- Die Untersuchung mit dem Mikroskop
- Der Blick auf die Mitte des Augenhintergrunds
- Ab 40 Jahren zusätzlich die Druckmessung
Alle weiteren Messungen setzt der Arzt je nach Anlass ein, etwa bei Beschwerden, vor einer neuen Brille oder vor einer Operation.
Eine genaue Dauer nennen nur wenige Quellen: das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), die Universitäts-Augenklinik Frankfurt, die Beipackzettel der verwendeten Augentropfen und eine Studie zur Gesichtsfeldmessung. Die genannten Zeiten reichen von etwa einer Minute bis zu 30 Minuten. Die Betäubung vor der Druckmessung setzt nach einer Minute ein und hält 20 bis 30 Minuten. Die Gesichtsfeldmessung dauert je Auge im Schnitt 2,9 bis 6,2 Minuten, und als normaler Augendruck gelten 10 bis 21 mmHg. Für die übrigen Untersuchungen fehlt eine belegte Zeitangabe; das steht so auch in der Tabelle, statt eine Zahl zu schätzen.
| Untersuchung | Was sie zeigt | Wie sie abläuft | Brauchen Sie Tropfen? | Dauer laut Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Sehtest | Wie scharf jedes Auge sieht, mit und ohne Brille | Ein Auge abgedeckt, Zeichen abnehmender Größe aus 5 Metern lesen | keine | keine Zeitangabe in den Quellen |
| Brillenwerte messen | Die Brechkraft des Auges, also die Werte für eine Brille | Automatisches Gerät, danach Sehtest mit Probegläsern | nur im Einzelfall, um die Naheinstellung auszuschalten | keine Zeitangabe in den Quellen |
| Mikroskop-Untersuchung | Hornhaut, vordere Augenkammer und Linse, mit Lupe auch die Netzhaut | Kopf auf einer Stütze, schmaler Lichtstrahl, starke Vergrößerung | für den Blick auf die hinteren Teile Pupillentropfen | keine Zeitangabe in den Quellen |
| Druckmessung | Der Druck im Auge, normal 10 bis 21 mmHg | Luftstoß ohne Berührung oder ein Messkörper auf der betäubten Hornhaut | Betäubung bei der Messung mit Messkörper | Betäubung wirkt nach etwa 1 Minute und hält 20 bis 30 Minuten |
| Augenspiegelung | Netzhaut, Sehnerv und Gefäße am Augenhintergrund | Direkt wie durch eine Lupe oder indirekt aus etwa 60 Zentimetern mit größerem Ausschnitt | Pupillentropfen | Tropfen etwa 20 Minuten vorher |
| Netzhaut-Aufnahme mit Laserlicht | Die Dicke der Netzhaut und Flüssigkeit darin, als Schnittbild | Laserlicht tastet die Netzhaut ab, ohne das Auge zu berühren | meist keine, manche Kliniken tropfen trotzdem für die beste Sicht | wenige Minuten |
| Gesichtsfeldmessung | Ausfälle im Blickfeld und blinde Stellen | In eine Halbkugel schauen, einen Punkt fixieren, bei jedem Lichtpunkt eine Taste drücken | keine | im Mittel 2,9 bis 6,2 Minuten je Auge, je nach Programm |
| Augenlänge vor einer Operation messen | Länge des Auges, Krümmung der Hornhaut, Tiefe der vorderen Augenkammer | Messung mit einem Gerät ohne Kontakt zum Auge | keine | wenige Minuten |
Wie der Sehtest Ihre Sehkraft und Brillenwerte prüft
Beim Sehtest lesen Sie mit einem abgedeckten Auge Zeichen ab, die von Zeile zu Zeile kleiner werden, aus fünf Metern Entfernung. So beschreibt es das IQWiG. Die Zeichen stehen auf einer Tafel oder einem Bildschirm: Buchstaben, Zahlen oder Symbole. Der Test läuft erst ohne und dann mit Ihrer Brille, weil die Kontrolle vorhandener Brillen zur Grunduntersuchung gehört.
Die Brillenwerte misst der Augenarzt in zwei Schritten. Zuerst prüft ein Gerät oder der Arzt die Brechkraft Ihres Auges automatisch, ohne dass Sie mitwirken müssen. Danach schauen Sie durch verschiedene Probegläser und sagen, womit Sie schärfer sehen. Vor einer neuen Brille vergleicht der Arzt am Ende beide Augen miteinander.
Ab etwa 40 Jahren und bei Beschwerden bestimmt der Arzt zusätzlich die Werte für die Nähe, weil das Sehen in der Nähe mit dem Alter nachlässt. Muss er dafür das Scharfstellen des Auges ganz ausschalten, bekommen Sie Tropfen, die normalerweise bis zu 24 Stunden wirken; danach dürfen Sie wieder selbst fahren. Für den Führerschein gilt außerdem ein eigener Mindestwert für Ihre Sehkraft, den ein gesonderter Sehtest prüft.
Was Mikroskop und Augenspiegelung am Auge zeigen
Das Mikroskop zeigt die vorderen Teile Ihres Auges stark vergrößert, die Augenspiegelung zeigt den Augenhintergrund mit Netzhaut, Sehnerv und Gefäßen. Beim Mikroskop legen Sie den Kopf auf eine Stütze, ein schmaler, heller Lichtspalt fällt ins Auge, und der Arzt sitzt Ihnen gegenüber. So erkennt er die einzelnen Schichten der Hornhaut, mit einer zusätzlichen Lupe auch tiefere Teile bis zur Netzhaut.
Für die Augenspiegelung bekommen Sie etwa 20 Minuten vorher Tropfen, die Ihre Pupille erweitern. Bei der direkten Spiegelung schaut der Arzt aus der Nähe wie durch eine Lupe. Bei der indirekten Spiegelung hält er etwa 60 Zentimeter Abstand und sieht einen größeren Ausschnitt. Zur Grunduntersuchung gehört der Blick auf die Mitte des Augenhintergrunds. Sehen Sie plötzlich Blitze oder neue fliegende Mücken, prüft der Arzt stattdessen den ganzen Augenhintergrund bei weiter Pupille, weil das ein Warnzeichen dafür ist, dass sich die Netzhaut löst.
Nach den Pupillentropfen dürfen Sie mehrere Stunden nicht selbst fahren. Deshalb prüft der Arzt Sehkraft und Augendruck schon vorher. Die Tropfen stören nämlich das Scharfstellen in der Nähe. Und der Beipackzettel des Wirkstoffs Tropicamid verlangt, Augendruck und Tiefe der vorderen Augenkammer vorher zu kennen.
Soll der Arzt den Augenhintergrund, also Netzhaut und Sehnerv, genauer ansehen?
Rechnen Sie mit Pupillentropfen, etwa 20 Minuten Wartezeit und mehreren Stunden ohne Autofahren danach. Nur für eine Netzhaut-Aufnahme allein braucht es meist keine Tropfen.
Misst der Arzt den Augendruck mit einem Messkörper auf der Hornhaut?
Sie bekommen betäubende Tropfen, die 20 bis 30 Minuten wirken. Reiben Sie in dieser Zeit nicht am Auge und setzen Sie Kontaktlinsen erst danach wieder ein.
Sehtest, Brillenwerte, Druckmessung mit Luftstoß, Gesichtsfeldmessung und Augenlängen-Messung brauchen in der Regel keine Tropfen. Nur wenn der Arzt für die Brillenwerte das Scharfstellen ausschaltet, bekommen Sie Tropfen, die bis zu 24 Stunden wirken.
10 bis 21 mmHg gelten als normaler Augendruck
Den Druck im Auge misst der Arzt mit einem kurzen Luftstoß oder mit einem kleinen Messkörper, und als normal gelten Werte zwischen 10 und 21 mmHg. Die Einheit mmHg heißt Millimeter Quecksilbersäule, dieselbe Einheit wie beim Blutdruck. Der Druck entsteht durch die Flüssigkeit, die im Auge ständig gebildet wird und wieder abfließt. Bei der berührungsfreien Messung misst ein Gerät den Druck mit einem kurzen Luftstoß. Bei der anderen Methode betäubt der Arzt die Hornhaut mit einem Tropfen und setzt einen kleinen Messkörper mittig auf.
Ein erhöhter Wert allein ist noch kein Grüner Star. Nur etwa 10 von 100 Menschen mit erhöhtem Augendruck bekommen innerhalb von fünf Jahren Sehverluste. Umgekehrt hat fast die Hälfte der Menschen mit Grünem Star Schäden am Sehnerv, aber keinen erhöhten Druck. Der Druckwert zählt deshalb immer zusammen mit dem Blick auf den Sehnerv und, bei Verdacht, mit der Gesichtsfeldmessung.
Ohne Beschwerden und ohne Verdacht bietet die Praxis die Druckmessung oft als Leistung an, die Sie selbst bezahlen. Was sie kostet und wie sie bewertet wird, steht im Ratgeber zur Vorsorge für Grünen Star.
Was die Netzhaut-Aufnahme und die Gesichtsfeldmessung zeigen
Die Netzhaut-Aufnahme dauert nur wenige Minuten, die automatische Gesichtsfeldmessung im Mittel knapp drei bis gut sechs Minuten je Auge. Die Netzhaut-Aufnahme heißt fachlich optische Kohärenztomographie, kurz OCT. Ein Gerät tastet die Netzhaut mit Laserlicht ab und misst dabei unter anderem, wie dick sie ist und ob sich Flüssigkeit darin angesammelt hat. Die Untersuchung ist berührungsfrei: Sie arbeitet mit Licht statt mit Schallwellen.
Bei der Gesichtsfeldmessung schauen Sie in eine Halbkugel und fixieren einen Punkt in der Mitte. An verschiedenen Stellen leuchten Lichtpunkte auf, und Sie drücken eine Taste, sobald Sie einen sehen. Die Messung kann anstrengend sein, weil Sie sich lange konzentrieren müssen. Wie lange sie dauert, hängt vom Programm des Geräts ab. In einer Studie mit 126 Menschen mit Grünem Star oder Verdacht darauf an fünf Zentren brauchte das langsamste Programm 369,5 Sekunden je Auge. Ein schnelleres Programm brauchte 247 Sekunden, das schnellste 171,9 Sekunden. Die Studie erschien 2019 im American Journal of Ophthalmology; drei der Autorinnen und Autoren arbeiteten für den Gerätehersteller Carl Zeiss Meditec.
- Nehmen Sie alle Brillen mit, auch die Lesebrille, damit der Arzt vorhandene Brillen prüfen kann.
- Nehmen Sie Kontaktlinsen vor Augentropfen heraus. Setzen Sie sie nach Pupillentropfen frühestens nach 15 Minuten wieder ein, nach betäubenden Tropfen erst, wenn die Betäubung ganz abgeklungen ist.
- Nennen Sie alle Medikamente und Augentropfen, die Sie anwenden, und sagen Sie, ob Sie schon einmal einen akuten Druckanstieg im Auge hatten.
- Kommen Sie ausgeruht zur Gesichtsfeldmessung. Drücken Sie die Taste nur, wenn Sie einen Lichtpunkt sicher gesehen haben, und halten Sie den Blick auf dem Punkt in der Mitte.
- Lassen Sie sich nach jeder Untersuchung Ihre Werte nennen, etwa wie scharf Sie sehen und den Augendruck, damit Sie spätere Ergebnisse vergleichen können.
Welche Zusatzuntersuchungen der Augenarzt sonst noch macht
Neben den Standarduntersuchungen setzt der Augenarzt weitere Messungen ein, wenn eine bestimmte Frage offen ist. Dazu zählen unter anderem Tests des Farbsehens, der Augenstellung und der Pupillenreaktion sowie eine Gefäßdarstellung mit Farbstoff und der Ultraschall. Vor Operationen kommen Messungen dazu, die die Operation planbar machen.
- Farbsehen: Sie erkennen Zahlen oder Buchstaben auf bunten Farbtafeln. Der Test zeigt Störungen des Farbsinns.
- Augenstellung und Beweglichkeit: Sie folgen einem Gegenstand mit den Augen, oder der Arzt beobachtet, ob sich beide Augen gemeinsam bewegen.
- Pupillenreaktion: Der Arzt leuchtet mit hellem Licht ins Auge und prüft, ob sich die Pupille reflexartig zusammenzieht.
- Gefäßdarstellung mit Farbstoff: Ein Farbstoff wird in eine Armvene gespritzt und verteilt sich bis in die Netzhaut-Gefäße. Eine Spezialkamera zeigt Veränderungen daran.
- Ultraschall: Der Schallkopf liegt auf dem Lid oder, nach Betäubung, auf dem Auge. Er misst die Länge des Augapfels oder zeigt Verdickungen, Durchblutungsstörungen und Tumoren.
- Längenmessung vor der Operation des Grauen Stars: Ein Gerät misst ohne Berührung Länge des Auges, Hornhautkrümmung und die Tiefe der vorderen Augenkammer. So lässt sich die neue Linse fürs Auge genau berechnen.
Vor einer Augenlaser-Operation braucht der Arzt weitere Messungen der Hornhaut. Ein Computerverfahren misst ihre Form und Brechkraft, und ihre Dicke misst er über eine mittlere Fläche von mindestens 6 Millimetern. Das legt eine Fachkommission von Augenärzten in ihren Empfehlungen fest. Was Brille und Kontaktlinsen auf Kassenkosten kosten und wie sie angepasst werden, erklärt optiker-liste.de.
Häufige Fragen
Wie läuft die Druckmessung beim Augenarzt ab?
Die Druckmessung beim Augenarzt läuft auf zwei Arten ab. Bei der einen misst ein Gerät den Druck mit einem kurzen Luftstoß, ohne das Auge zu berühren. Bei der anderen betäubt der Arzt die Hornhaut mit einem Tropfen und setzt einen kleinen Messkörper auf. Die Betäubung hält 20 bis 30 Minuten; reiben Sie in dieser Zeit nicht am Auge.
Wie lange dauert eine Gesichtsfeldmessung beim Augenarzt?
Eine automatische Gesichtsfeldmessung beim Augenarzt dauert je Auge im Mittel etwa drei bis sechs Minuten, je nach Programm des Geräts. In einer Studie im American Journal of Ophthalmology von 2019 mit 126 Teilnehmenden brauchte das langsamste Programm 369,5 Sekunden je Auge. Ein schnelleres Programm brauchte 247 Sekunden, das schnellste 171,9 Sekunden. Beide Augen werden nacheinander gemessen.
Welcher Augendruck ist normal?
Als normal gilt ein Augendruck zwischen 10 und 21 mmHg. Ein höherer Wert ist aber noch kein Grüner Star: Nur etwa 10 von 100 Menschen mit erhöhtem Augendruck bekommen innerhalb von fünf Jahren Sehverluste. Fast die Hälfte der Menschen mit Grünem Star hat einen normalen Druck, deshalb beurteilt der Arzt immer auch den Sehnerv.
Brauche ich für eine Netzhaut-Aufnahme (OCT) beim Augenarzt Augentropfen?
Nein, für eine Netzhaut-Aufnahme mit Laserlicht, die optische Kohärenztomographie oder kurz OCT, brauchen Sie meist keine Pupillentropfen, weil die Messung ohne Berührung mit Licht arbeitet. Manche Kliniken tropfen trotzdem, zum Beispiel für die bestmögliche Sicht. Fragen Sie vorher nach, denn nach Pupillentropfen dürfen Sie mehrere Stunden nicht selbst fahren.
Warum misst der Augenarzt, wie scharf Sie mit und ohne Brille sehen?
Der Augenarzt prüft Ihre Sehkraft mit und ohne Brille, weil er wissen will, was Ihr Auge allein leistet und ob Ihre Brille noch passt. Die Kontrolle vorhandener Brillen gehört zur Grunduntersuchung. Bringen Sie deshalb jede Brille mit, die Sie tragen, auch die Lesebrille.
