Was die Grauer-Star-OP für Kassenpatienten kostet
Die Operation des Grauen Stars mit einer einfachen Linse zahlt die gesetzliche Krankenkasse vollständig. Geld kostet Sie erst eine Speziallinse, ein Laser als Zusatzangebot oder eine zusätzliche Messung. Beim Grauen Star trübt sich die eigene Augenlinse, und die einzige wirksame Behandlung ist die Operation: Der Arzt ersetzt die trübe Linse durch eine künstliche. Medikamente können die Trübung nicht aufhalten, das hält das IQWiG, ein unabhängiges Institut für Gesundheitsfragen, auf seiner Seite zum Grauen Star fest.
Diese Operation ist mit mindestens 700.000 Eingriffen im Jahr die häufigste Operation in Deutschland überhaupt, so die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, der Fachverband der Augenärzte, in einer Pressemeldung von 2023. Für Sie als gesetzlich Versicherten ist die Standardversorgung kostenfrei. Dazu gehören die Voruntersuchung mit einer Ultraschallmessung des Auges, die Operation mit einer einfachen Linse und die Nachsorge. Der Eingriff findet meist ambulant statt, dann fällt keine Zuzahlung an. Nur bei einem stationären Aufenthalt zahlen Sie 10 Euro je Tag zu.
Geld kostet Sie die Operation erst, wenn Sie mehr wollen als die Standardversorgung. Drei Angebote begegnen Ihnen dabei regelmäßig: eine Speziallinse, ein Laser als Ersatz für Teile der Handoperation und zusätzliche Messungen. Was davon Sie selbst zahlen, hat sich zum 1. Juli 2026 geändert, dazu mehr im nächsten Abschnitt. Einen Überblick, welche Augenoperation die Kasse sonst noch zahlt, gibt ein eigener Artikel.
Sieben Leistungen rund um die Operation kosten Sie unterschiedlich viel oder gar nichts. Die Spanne reicht von 0 Euro für die einfache Linse bis zu 2.100 Euro für den Laser als Zusatzangebot. Die Speziallinse liegt im Schnitt bei 1.954 Euro dazwischen. Die folgende Übersicht zeigt, wer welchen Posten zahlt.
| Leistung | Wer zahlt |
|---|---|
| Operation mit einer einfachen Linse, Voruntersuchung, Nachsorge | Gesetzliche Krankenkasse vollständig |
| Speziallinse auf Ihren Wunsch (zum Beispiel gegen Hornhautverkrümmung oder für Ferne und Nähe zugleich) | Sie zahlen nur die Mehrkosten der Linse, im Schnitt 1.954 Euro |
| Eingriff, Überwachung und Nachbehandlung bei einer Speziallinse | Gesetzliche Krankenkasse, keine Privatrechnung mehr |
| Zusätzliche Messungen, die nur wegen der Speziallinse nötig werden | Sie selbst |
| Laser statt Handoperation | Sie selbst, 700 bis 2.100 Euro |
| Behandlung eines Nachstars mit dem Laser | Gesetzliche Krankenkasse |
| Stationärer Aufenthalt | Kasse, Sie zahlen 10 Euro je Tag zu |
Was sich seit Juli 2026 bei Speziallinsen geändert hat
Bis zum 30. Juni 2026 stellten viele Praxen bei einer Speziallinse eine Privatrechnung über die gesamte Operation aus und zogen den Kassenanteil davon ab. Das zuständige Gremium von Ärzten und Kassen hat diese Praxis mit einem Beschluss vom 9. Juni 2026 beendet. Seit dem 1. Juli 2026 gilt: Wählen Sie eine Speziallinse, zahlt die Kasse den Eingriff, die Überwachung danach und die Nachbehandlung vollständig.
Eine parallele Teil-Privatrechnung für diese Leistungen ist damit nicht mehr zulässig. Sie tragen nur noch die Mehrkosten der Linse selbst und Kosten für Messungen, die ausschließlich wegen Ihres Linsenwunschs nötig werden. Der Verband der Kassenärzte hat gegen diesen Beschluss gestimmt, weil er einen höheren ärztlichen Aufwand bei hochwertigen Linsen sieht. Das ändert nichts daran, dass er gilt.
Zwei Ausnahmen bleiben. Haben Sie bei Ihrer Kasse Kostenerstattung gewählt, rechnet die Praxis privat ab, und Sie reichen die Rechnung selbst ein. Und wer vor Beginn der Behandlung ausdrücklich verlangt, ganz auf eigene Kosten behandelt zu werden, und das schriftlich bestätigt, wird als Privatpatient behandelt. Unterschreiben Sie eine solche Erklärung nicht, wenn Sie nur die Speziallinse wollen: Die Kasse zahlt dann die gesamte Operation nicht mehr.
- Sie zahlen: die Differenz zwischen einfacher Linse und Speziallinse, dazu Messungen, die allein die Speziallinse erfordert.
- Sie zahlen nicht: den Eingriff, die Überwachung danach und die Nachbehandlung, auch wenn eine Speziallinse eingesetzt wurde.
- Sie zahlen nicht: eine Rechnung über die ganze Operation, von der die Praxis den Kassenanteil abzieht. Diese Form ist seit dem 1. Juli 2026 ausgeschlossen.
- Vorsicht bei Formularen, in denen Sie ausdrücklich eine Behandlung auf eigene Kosten verlangen. Damit zahlt die Kasse die Operation nicht mehr.
Wie lange die Operation dauert und was dabei passiert
Die Operation dauert etwa 20 bis 30 Minuten und findet meist ambulant unter örtlicher Betäubung statt, mit Augentropfen, einem Gel oder einer Spritze neben das Auge. Der Arzt öffnet die Linsenkapsel über einen kleinen Schnitt am Rand der Hornhaut. Dann zerkleinert er die trübe Linse mit Ultraschall, saugt sie ab und setzt die gefaltete künstliche Linse in die Kapsel ein. Beide Augen werden in der Regel an getrennten Terminen operiert.
Diagnose und Entscheidung
Der Augenarzt stellt die Trübung bei der Untersuchung am Mikroskop fest. Ob operiert wird, entscheiden Sie danach, wie sehr Sie die Trübung im Alltag stört.
Voruntersuchung und Linsenberechnung
Die Praxis misst Augenlänge und Hornhautform, um die Stärke der künstlichen Linse zu berechnen. Die einfache Ultraschallmessung zahlt die Kasse, eine genauere optische Messung mit Laser wird oft privat angeboten.
Aufklärung und Linsenwahl
Ein Arzt klärt mündlich über Ablauf, Risiken und Linsenarten auf. Wollen Sie eine Speziallinse, bekommen Sie vorab eine schriftliche Kosteninformation.
Operation
20 bis 30 Minuten unter örtlicher Betäubung, meist ambulant. Für die ersten 24 Stunden tragen Sie einen Augenverband.
Nachsorge
Kontrolltermine am Folgetag und in den ersten Wochen, Augentropfen nach Plan. Eine Woche kein Lesen am Bildschirm, zwei Wochen kein Sport mit Erschütterungen.
Zweites Auge und Brille
Das zweite Auge folgt nach der Abheilung. Eine neue Brille bekommen Sie, sobald die Werte stabil sind.
Autofahren dürfen Sie erst nach einigen Wochen wieder, wenn der Augenarzt geprüft hat, wie gut Sie wieder sehen. Für die Rückkehr an den Arbeitsplatz rechnen Sie je nach Beruf mit ein bis zwei Wochen. Wasser, Shampoo und Seife dürfen in den ersten Tagen nicht ins operierte Auge gelangen.
Welche Linse zu welchem Preis passt
Die Kasse zahlt eine einfache Linse mit einem Brennpunkt. Sie stellt das Auge auf eine Entfernung scharf, meist die Ferne, zum Lesen brauchen Sie danach eine Brille. Alle anderen Linsen sind Speziallinsen, die Sie selbst mitbezahlen. Mehrfachlinsen decken oft Ferne und Nähe zugleich ab, dafür kann das Sehen in der Dämmerung schlechter werden, mit Lichtkränzen und stärkerer Blendung.
Bei einer Mehrfachlinse zahlen Sie im Schnitt rund 1.954 Euro dazu, die einfache Linse für Ferne oder Nähe allein kostet Sie dagegen nichts. Die folgende Tabelle vergleicht die Linsenarten nach Nutzen, Nebenwirkung und Kosten.
| Linse | Was sie leistet | Nebenwirkungen | Wer zahlt |
|---|---|---|---|
| Einfache Linse (ein Brennpunkt) | Scharfes Sehen in einer Entfernung, meist Ferne | Lesebrille nötig | Kasse vollständig |
| Linse gegen Hornhautverkrümmung | Gleicht zusätzlich eine Hornhautverkrümmung aus | Bei Verdrehung der Linse Restfehler möglich | Sie zahlen die Mehrkosten der Linse |
| Mehrfachlinse (Ferne und Nähe) | Ferne und Nähe ohne Brille in den meisten Fällen | Lichtkränze, Blendung, schlechteres Sehen in der Dämmerung | Sie zahlen die Mehrkosten der Linse, im Schnitt 1.954 Euro |
| Linse mit erweiterter Tiefenschärfe | Ferne und mittlere Entfernung, weniger Blendung als bei der Mehrfachlinse | Lesebrille für kleine Schrift oft weiterhin nötig | Sie zahlen die Mehrkosten der Linse |
| Linse mit Blaufilter | Soll die Netzhaut vor blauem Licht schützen | Schutzwirkung nicht nachgewiesen | Sie zahlen die Mehrkosten der Linse |
Die 1.954 Euro stammen aus einer Befragung von rund 2.000 Versicherten und sind ein Durchschnitt über alle Speziallinsen hinweg. Sie enthalten teilweise noch den alten Aufschlag für den Eingriff selbst, den es seit dem 1. Juli 2026 nicht mehr geben darf. Was Ihre eigene Linse kostet, sagt Ihnen nur die schriftliche Kosteninformation Ihrer Praxis.
Hat Ihr Augenarzt einen medizinischen Grund für eine bestimmte Linse genannt, zum Beispiel eine starke Hornhautverkrümmung?
Dann ist die Linse Teil der Krankenbehandlung. Lassen Sie sich das schriftlich geben und klären Sie mit der Kasse, dass keine Mehrkosten entstehen.
Ist Ihnen ein Leben ohne Lesebrille wichtiger als ungestörtes Sehen bei Nacht?
Fahren Sie regelmäßig nachts Auto oder arbeiten Sie mit feinen Kontrasten?
Sprechen Sie mit dem Arzt über eine Linse mit erweiterter Tiefenschärfe statt einer Mehrfachlinse. Eine Mehrfachlinse erhöht die Blendempfindlichkeit stärker.
Eine Mehrfachlinse kann passen. Sie zahlen nur deren Mehrkosten, Eingriff und Nachsorge bleiben eine Leistung der Kasse.
Die einfache Linse der Kasse ist die richtige Wahl. Sie kostet Sie nichts, eine Lesebrille gleicht die Nähe aus.
Welche Risiken die Operation hat
Etwa 9 von 10 Operierten sehen nach dem Eingriff besser. Während der Operation reißt bei rund 2 von 100 die Linsenkapsel, bei weniger als 1 von 100 wird das umliegende Gewebe verletzt. Nach der Operation kommt es bei etwa 2 von 100 zu einer Schwellung der Netzhautmitte. Bei etwa 1 von 100 verrutscht die Linse, oder es kommt zu einer Netzhautablösung, bei der sich die Netzhaut von der Augenwand löst. Bei weniger als 1 von 100 entzündet sich das Auge.
Die häufigste Spätfolge ist der Nachstar: Die hintere Linsenkapsel, in der die künstliche Linse sitzt, trübt sich ein. Zwischen 25 und 40 von 100 Operierten bekommen das innerhalb von fünf Jahren. Die Behandlung ist ein kurzer Lasereingriff, bei dem das Auge nicht erneut geöffnet wird, und diese Behandlung zahlt die Kasse.
- Sofort zum Augenarzt oder in eine Augenklinik: bei starken Schmerzen, plötzlicher Sehverschlechterung, zunehmender Rötung oder Eiter in den ersten Tagen. Das können Zeichen einer Infektion sein.
- Ebenfalls dringend: Lichtblitze, ein Schwarm dunkler Punkte oder ein Schatten im Gesichtsfeld. Das sind Warnzeichen einer Netzhautablösung, deren Risiko nach der Operation erhöht ist.
- Beim nächsten Termin ansprechen: langsam nachlassendes Sehen oder Blendung Monate bis Jahre nach der Operation. Das ist das typische Bild eines Nachstars.
So prüfen Sie ein Angebot für die Operation
Die Verbraucherzentrale rät, vor der Operation nach den Kosten zu fragen und Angebote zwischen Praxen zu vergleichen. Vorsicht ist geboten, wenn eine Zusatzleistung als medizinisch unbedingt nötig dargestellt wird, ohne dass die Praxis das näher begründet. Mit den folgenden Schritten trennen Sie eine Leistung der Kasse von einer Leistung, die Sie selbst zahlen.
- Fragen Sie, ob eine einfache Linse für Ihr Auge medizinisch ausreicht. Die Antwort gehört in Ihre Unterlagen.
- Verlangen Sie für jede Zusatzleistung eine schriftliche Kosteninformation: Linse, Messungen, Laser, jeweils mit Betrag.
- Prüfen Sie, dass diese Information nur die Mehrkosten der Linse und Leistungen außerhalb der Operation nennt. Eingriff, Überwachung und Nachbehandlung sind seit dem 1. Juli 2026 eine Leistung der Kasse.
- Unterschreiben Sie nur für die gewünschte Zusatzleistung, nicht für die ganze Behandlung.
- Lehnen Sie eine Erklärung ab, mit der Sie ausdrücklich eine Behandlung auf eigene Kosten verlangen, wenn Sie gesetzlich versichert sind und nur die Speziallinse wünschen.
- Fragen Sie beim Laser nach dem medizinischen Vorteil für Ihr Auge. Ein Aufpreis von 700 bis 2.100 Euro sollte begründet sein.
- Vergleichen Sie die Rechnung mit der Kosteninformation. Bei Zweifeln hilft die Krankenkasse weiter.
Eine zweite Meinung ist bei einer Operation ohne Zeitdruck sinnvoll. Der Graue Star schreitet langsam fort, eine Operation ist nicht nötig, solange Sie im Alltag keine Probleme haben. Sie verlieren durch Warten nichts, solange der Augenarzt keinen medizinischen Grund für Eile nennt.
Häufige Fragen
Was kostet eine Grauer-Star-Operation als gesetzlich Versicherter?
Eine Grauer-Star-Operation mit einer einfachen Linse kostet gesetzlich Versicherte nichts. Voruntersuchung, Eingriff und Nachsorge zahlt die Krankenkasse vollständig. Kosten entstehen nur, wenn Sie eine Speziallinse, einen Laser als Zusatzangebot oder zusätzliche Messungen wählen. Für Speziallinsen liegt der Schnitt bei rund 1.954 Euro.
Was zahle ich bei einer Speziallinse seit Juli 2026 noch selbst?
Sie zahlen seit dem 1. Juli 2026 nur noch die Mehrkosten der Linse und ärztliche Leistungen, die nur wegen der Linse nötig werden. Der Eingriff, die Überwachung und die Nachbehandlung sind vollständig eine Leistung der Kasse und dürfen nicht mehr zusätzlich privat berechnet werden.
Wie lange dauert die Operation des Grauen Stars?
Die Operation dauert etwa 20 bis 30 Minuten je Auge und findet meist ambulant unter örtlicher Betäubung statt. Für die ersten 24 Stunden tragen Sie einen Augenverband, Autofahren ist erst nach einigen Wochen und nach ärztlicher Prüfung wieder möglich.
Wie oft tritt nach der Grauer-Star-OP ein Nachstar auf?
Einen Nachstar bekommen 25 bis 40 von 100 Operierten innerhalb von fünf Jahren. Dabei trübt sich die hintere Linsenkapsel ein, in der die künstliche Linse sitzt. Die Behandlung ist ein kurzer Lasereingriff, ohne dass das Auge erneut geöffnet wird, und eine Leistung der Kasse.
Ist der Laser bei der Grauer-Star-OP besser als die Handoperation?
Für den Laser bei der Grauer-Star-OP gibt es keinen Beleg für ein besseres Sehergebnis oder weniger Komplikationen als bei der Handoperation mit Ultraschall. Der Laser ist keine Leistung der Kasse und kostet Sie 700 bis 2.100 Euro extra.
Muss ich als Kassenpatient eine Privatrechnung unterschreiben, wenn ich eine Speziallinse möchte?
Nein, als gesetzlich Versicherter unterschreiben Sie für eine Speziallinse nur die schriftliche Zustimmung zur Mehrkosten-Zahlung. Eine Erklärung, mit der Sie ausdrücklich eine Behandlung auf eigene Kosten verlangen, sorgt dagegen dafür, dass die Kasse die gesamte Operation nicht mehr zahlt.
