Was eine IGeL ist und warum Augenärzte sie oft anbieten
Eine IGeL ist eine Untersuchung oder Behandlung, die Sie selbst bezahlen, weil die gesetzliche Krankenkasse sie nicht übernimmt. Augenärzte bieten davon besonders viele an: bundesweit setzen sie damit jährlich 544 Millionen Euro um, mehr als jedes andere Fachgebiet. Berechnen darf Ihnen die Praxis eine IGeL erst, wenn Sie vorher schriftlich zugestimmt haben.
Der Medizinische Dienst Bund hat für seinen IGeL-Report 2024 mehr als 2.000 gesetzlich Versicherte befragen lassen. Hochgerechnet geben Versicherte so mindestens 2,4 Milliarden Euro im Jahr für solche Leistungen aus. Das Geld in der Augenheilkunde kommt aus zwei Quellen. Die erste ist die sehr häufig verkaufte Druckmessung am Auge, die jährlich rund 2,4 Millionen Versicherte kaufen. Die zweite sind wenige, aber teure Leistungen wie Speziallinsen beim Grauen Star und das Augenlasern.
Nicht jede private Rechnung beim Augenarzt ist eine IGeL. Eine Bescheinigung für Dritte, etwa das Zeugnis für den Führerschein, zahlen Sie immer selbst, weil die Kasse sie nie zahlt. Eine IGeL im engeren Sinn dagegen ist eine medizinische Leistung, die Ihnen die Praxis anbietet, obwohl oder weil die Kasse sie nicht zahlt. Dazu zählen eine Früherkennung ohne Verdacht, eine Wunschleistung wie eine Sonderlinse oder das Augenlasern, und eine Untersuchung, deren Nutzen nicht belegt ist.
Welche Selbstzahlerleistungen es beim Augenarzt gibt
Der IGeL-Monitor prüft, ob eine Selbstzahlerleistung wirklich nutzt oder eher schadet. Bei der Früherkennung des Grünen Stars fällt sein Urteil negativ aus: Der Nutzen ist nicht belegt. Die Preise reichen von 0 Euro, wenn die Kasse zahlt, bis 3.500 Euro im Schnitt fürs Augenlasern. Die Früherkennung des Grünen Stars kostet in der Regel 20 bis 40 Euro, mit einer Schichtaufnahme der Netzhaut 90 bis 140 Euro. Eine Sonderlinse beim Grauen Star kostet im Schnitt 1.954 Euro.
| Angebot | Kasse oder Sie selbst | Urteil oder Grund | Preis |
|---|---|---|---|
| Druckmessung am Auge mit Blick auf den Sehnerv zur Früherkennung des Grünen Stars | Sie selbst ohne Verdacht, Kasse bei Verdacht oder bekanntem Grünem Star | IGeL-Monitor: eher negativ, Fachgesellschaften empfehlen sie trotzdem ab 40 | in der Regel 20 bis 40 Euro |
| Schichtaufnahme der Netzhaut zur Früherkennung des Grünen Stars | Sie selbst | IGeL-Monitor: eher negativ | in der Regel 90 bis 140 Euro |
| Schichtaufnahme der Netzhaut bei einer bekannten Netzhauterkrankung | Kasse | Krankenbehandlung, weil ein Befund vorliegt | keine Kosten |
| Sonderlinse bei der Operation des Grauen Stars | Kasse zahlt Operation und einfache Linse, Mehrkosten der Sonderlinse zahlen Sie | seit 1. Juli 2026 keine Privatrechnung mehr für den Eingriff selbst | im Schnitt 1.954 Euro |
| Augenlasern | Sie selbst | seit 1999 zahlt das die Kasse nicht | im Schnitt 3.500 Euro |
| Sehtest und Zeugnis für den Führerschein | immer Sie selbst | Bescheinigung für Dritte | Rechnung nach Aufwand, keine amtliche Gebühr |
| Untersuchung der Netzhaut bei Beschwerden oder bekannter Erkrankung | Kasse | Krankenbehandlung | keine Kosten |
Der IGeL-Monitor hat inzwischen 68 solcher Selbstzahlerleistungen geprüft, und bei den meisten überwiegt der Schaden oder die Bewertung bleibt unklar. Die Verbraucherzentrale rät deshalb: Fragen Sie vor jeder IGeL bei Ihrer Krankenkasse nach, ob sie die Leistung doch übernimmt. Was die Früherkennung des Grünen Stars im Detail kostet und ob sie trotz des negativen Urteils sinnvoll sein kann, steht im Artikel zur Vorsorge für den Grünen Star.
Was Sie vor einer IGeL unterschreiben und was Sie dafür bekommen
Drei Regeln schützen Sie, bevor die Praxis Geld verlangen darf. Ohne Ihre schriftliche Zustimmung vor der Leistung darf kein Arzt eine Vergütung fordern, und er muss Sie dabei auf die Kostenpflicht hinweisen. Er muss Sie außerdem vor Beginn schriftlich über die voraussichtlichen Kosten informieren, wenn die Kasse nicht zahlt. Und einen deutlich höheren Preis als üblich darf er nur mit einer Begründung verlangen, die sich auf Ihren Fall bezieht.
Was passiert ohne diese Unterschrift, ist eindeutig geklärt: Der Arzt hat dann keinen Anspruch auf Bezahlung, selbst wenn Sie mündlich zugestimmt oder schon eine Rate gezahlt haben. Kein Papier heißt kein Honorar.
- Schriftform vor der Leistung: Ohne Ihre Unterschrift auf einer Vereinbarung, die Leistung und Kosten nennt, schulden Sie nichts.
- Kosteninformation vorher: Betrag oder Preisrahmen bekommen Sie schriftlich, bevor es losgeht.
- Aufklärung durch den Arzt: Nutzen, Risiken und Alternativen erklärt Ihnen der Arzt selbst, nicht nur die Anmeldung.
- Rechnung mit Einzelposten: Jede Leistung steht einzeln mit Bezeichnung und Preis auf der Rechnung; ein besonders hoher Preis braucht eine schriftliche Begründung.
- Kein Druck: Eine IGeL darf nie Bedingung für Ihre Kassenbehandlung sein, und ein Notfall braucht keine Unterschrift vorher.
Wie Sie ein IGeL-Angebot in sechs Schritten prüfen
Mehr als zwei Drittel der Befragten im IGeL-Report 2024 sagen selbst, dass ihr Wissen nicht ausreicht, um sich begründet für oder gegen eine IGeL zu entscheiden. 37 Prozent glauben sogar, IGeL entsprächen einem höheren medizinischen Standard. Beides spricht dafür, sich Zeit zu nehmen. Kein Angebot ist so dringend, dass Sie es am selben Tag entscheiden müssten. Einen echten Notfall zahlt die Kasse immer.
- Fragen Sie, warum die Kasse die Leistung in Ihrem Fall nicht zahlt. Bei einem Verdacht, einer Vorerkrankung oder einem Risikofaktor zahlt die Kasse.
- Lassen Sie sich die Kosten schriftlich geben, mit Bezeichnung und Preis je Leistung.
- Lesen Sie die Bewertung im IGeL-Monitor (igel-monitor.de) und, falls vorhanden, die Empfehlung der Fachgesellschaft. Beide können unterschiedlich ausfallen, wie bei der Früherkennung des Grünen Stars.
- Fragen Sie Ihre Krankenkasse, ob sie die Leistung doch bezuschusst, bevor Sie zahlen.
- Nehmen Sie sich Bedenkzeit. Eine IGeL läuft Ihnen nicht weg und lässt sich auch beim nächsten Termin noch machen.
- Unterschreiben Sie nur eine Vereinbarung für genau diese eine Leistung, und prüfen Sie die Rechnung später dagegen.
Haben Sie Beschwerden, eine Vorerkrankung oder einen Risikofaktor, der zur angebotenen Untersuchung passt?
Dann ist die Untersuchung wahrscheinlich Krankenbehandlung. Sprechen Sie den Grund an und bitten Sie um Abrechnung über die Kasse, bevor Sie eine Vereinbarung unterschreiben.
Bewertet der IGeL-Monitor die Leistung positiv oder eher positiv?
Die Studienlage spricht für einen Nutzen. Prüfen Sie den Preis und lassen Sie sich die Kosten schriftlich geben.
Empfiehlt eine Leitlinie der Fachgesellschaften die Leistung für Ihr Alter oder Ihr Risiko?
IGeL-Monitor und Leitlinie widersprechen sich dann. Lassen Sie sich beide Sichtweisen erklären und entscheiden Sie mit Bedenkzeit; ein Fehlalarm zieht weitere Untersuchungen nach sich.
Ohne belegten Nutzen und ohne Empfehlung dürfen Sie ablehnen. Ihre Kassenbehandlung läuft unverändert weiter.
Wie Sie eine IGeL-Rechnung nachrechnen und prüfen
Jede IGeL-Rechnung folgt derselben Formel: Punktzahl der Leistung mal einem festen Punktwert von 5,82873 Cent mal einem Faktor. Der Faktor darf zwischen 1 und 3,5 liegen, bei technischen Untersuchungen mit Geräten bis 2,5. Bis zum in der Praxis üblichen Höchstsatz braucht die Praxis keine Begründung, darüber eine schriftliche, die sich auf Ihren Fall bezieht.
Eine Beispielrechnung für eine Früherkennung des Grünen Stars mit Schichtaufnahme der Netzhaut zeigt, wie sich der Preis zusammensetzt. Beratung kostet dabei rund 11 Euro, die Druckmessung rund 13 Euro, die Untersuchung des Augenhintergrunds rund 20 Euro und die Schichtaufnahme rund 94 Euro. Zusammen macht das 138,35 Euro beim in der Praxis üblichen Höchstsatz. Im Beispiel kostet die Beratung 10,72 Euro, die Druckmessung 13,41 Euro, die Untersuchung des Augenhintergrunds 20,38 Euro und die Schichtaufnahme beider Augen 93,84 Euro, zusammen 138,35 Euro.
| Position | Nummer | Punkte | Betrag |
|---|---|---|---|
| Beratung | 1 | 80 | 10,72 Euro |
| Druckmessung am Auge | 1256 | 100 | 13,41 Euro |
| Untersuchung des Augenhintergrunds | 1242 | 152 | 20,38 Euro |
| Schichtaufnahme beider Augen | 424 analog | 700 | 93,84 Euro |
| Summe | 138,35 Euro |
Liegt Ihre Rechnung deutlich darüber, hat das meist einen von drei Gründen. Entweder fehlt die Begründung für einen hohen Preis, oder eine Leistung fand gar nicht statt, oder sie darf nicht neben einer anderen berechnet werden. Fällig wird die Rechnung erst, wenn sie Datum, Bezeichnung, Betrag und Preisstufe jeder Leistung nennt.
Rechnung mit Vereinbarung vergleichen
Jede Position muss in der unterschriebenen Vereinbarung stehen. Positionen ohne Vereinbarung schulden Sie nicht.
Preisstufe prüfen
Ein deutlich erhöhter Preis braucht eine schriftliche Begründung, die Ihren Fall betrifft.
Nachfragen in der Praxis
Bitten Sie schriftlich um Korrektur und nennen Sie die Position. Viele Rechnungen werden auf Nachfrage berichtigt.
Ärztekammer oder Verbraucherzentrale einschalten
Beide prüfen Rechnungen und beraten zu IGeL. Sie brauchen Rechnung und Vereinbarung in Kopie.
Zahlen unter Vorbehalt
Wollen Sie eine Mahnung vermeiden, zahlen Sie den unstrittigen Teil und vermerken den Vorbehalt schriftlich.
Wo IGeL aufhören und die Kasse einspringt
Die Grenze zwischen IGeL und dem, was die Kasse zahlt, verläuft nicht entlang der Untersuchung, sondern entlang des Anlasses. Die Kasse zahlt, was zur Erkennung oder Behandlung einer Krankheit notwendig ist. Sobald Sie Beschwerden haben oder ein Risikofaktor bekannt ist, ist dieselbe Untersuchung Krankenbehandlung. Nur die Früherkennung ohne jeden Anlass und die Wunschleistung bleiben IGeL.
Für einige Angebote ist die Grenze klar gezogen. Die Früherkennung des Grünen Stars ohne Befund zahlt die Kasse seit 2005 nicht. Die Schichtaufnahme der Netzhaut bei einer altersbedingten Erkrankung der Netzhautmitte oder einer Augenfolge von Diabetes zahlt die Kasse seit Ende 2018. Bei einer Sonderlinse beim Grauen Star zahlen Sie nur den Aufpreis, seit Mitte 2026 nicht mehr die Operation selbst. Und das Augenlasern zahlt die Kasse seit 1999 nicht.
Häufige Fragen
Was sind IGeL beim Augenarzt?
IGeL beim Augenarzt sind Untersuchungen und Behandlungen, die nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkasse gehören und die Sie deshalb selbst bezahlen. Typische Beispiele sind die Früherkennung des Grünen Stars ohne Verdacht, eine Schichtaufnahme der Netzhaut zur Früherkennung, Sonderlinsen beim Grauen Star und das Augenlasern. Augenarztpraxen setzen damit jährlich 544 Millionen Euro um.
Muss ich eine IGeL beim Augenarzt schriftlich vereinbaren?
Ja, eine IGeL beim Augenarzt muss vor der Leistung schriftlich vereinbart werden. Der Arzt darf nur eine Vergütung fordern, wenn er vorher Ihre schriftliche Zustimmung eingeholt und Sie auf die Kostenpflicht hingewiesen hat. Ohne diese Vereinbarung besteht kein Anspruch auf Bezahlung.
Wie viel darf eine IGeL beim Augenarzt kosten?
Der Preis einer IGeL beim Augenarzt ergibt sich aus einer festen Punktzahl je Leistung, einem Punktwert von 5,82873 Cent und einem Faktor. Eine Druckmessung am Auge kostet beim üblichen Höchstsatz 13,41 Euro, die Untersuchung des Augenhintergrunds 20,38 Euro, eine Schichtaufnahme beider Augen 93,84 Euro.
Zahlt die Krankenkasse eine IGeL nachträglich?
Nein, die gesetzliche Krankenkasse erstattet eine privat bezahlte IGeL nach Angaben der Verbraucherzentrale nicht nachträglich. Fragen Sie deshalb vor der Leistung bei der Kasse nach, ob sie die Untersuchung in Ihrem Fall als Krankenbehandlung übernimmt.
Darf der Augenarzt die Behandlung verweigern, wenn ich eine IGeL ablehne?
Nein, Ihre Kassenbehandlung darf nicht von einer IGeL abhängen. Ein Arzt verstößt gegen seine Pflichten, wenn er Sie zu einer privaten Leistung drängt, obwohl die Kasse zahlen würde. Sie können eine IGeL ablehnen und weiter das nutzen, was die Kasse zahlt.
Welche IGeL beim Augenarzt bewertet der IGeL-Monitor negativ?
Der IGeL-Monitor bewertet die Druckmessung mit Blick auf den Sehnerv zur Früherkennung des Grünen Stars und die Schichtaufnahme der Netzhaut zur selben Früherkennung jeweils eher negativ, weil Studien zum Nutzen fehlen und Fehlalarme zu unnötigen Behandlungen führen können. Fachgesellschaften empfehlen diese Früherkennung trotzdem ab 40 Jahren; beide Einschätzungen sollten Sie kennen.
