So wird ein Arzt in 60 Monaten zum Facharzt
Facharzt für Augenheilkunde, kurz Augenarzt, darf sich nennen, wer nach dem Medizinstudium und der staatlichen Zulassung zum Arztberuf eine Ausbildung abgeschlossen und die Prüfung vor seiner Landesärztekammer bestanden hat. Diese Ausbildung ist eine angemessen vergütete, hauptberufliche ärztliche Tätigkeit unter Anleitung, keine Schule. Sie findet an Kliniken und Praxen statt, denen die Kammer eine Befugnis dafür erteilt hat.
Die Regeln dafür setzt jede Landesärztekammer selbst, nach einem bundesweiten Muster der Bundesärztekammer. Danach dauert die Ausbildung zum Facharzt für Augenheilkunde mindestens 60 Monate, davon müssen 12 Monate im Krankenhaus abgeleistet werden.
Das Fachgebiet umfasst die Vorbeugung, Erkennung, Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation von Veränderungen des Auges und seiner Umgebung, einschließlich der Optometrie und plastisch-rekonstruktiver Operationen rund um die Augenhöhle. Optometrie heißt die Messung der Sehleistung und die Bestimmung von Brillen- und Kontaktlinsenwerten.
Staatliche Zulassung
Nach dem Medizinstudium und der Approbation beginnt die Zählung der Ausbildungszeit.
60 Monate Ausbildung
Unter Anleitung an zugelassenen Kliniken und Praxen, davon 12 Monate im Krankenhaus. Inhalte und Mindestzahlen werden dokumentiert.
Zulassung zur Prüfung
Die Ärztekammer prüft Zeugnisse und Dokumentation und lässt zur Prüfung zu oder lehnt schriftlich begründet ab.
Prüfung vor dem Ausschuss
Spätestens sechs Monate nach der Zulassung, mindestens 30 Minuten, nicht öffentlich. Der Ausschuss hat drei Ärzte, zwei davon mit der geprüften Bezeichnung.
Anerkennungsurkunde
Nach bestandener Prüfung stellt die Kammer die Urkunde aus. Erst dann darf der Arzt die Bezeichnung führen.
Was die Ausbildung an Untersuchungen verlangt
Die Ausbildung beschreibt viele einzelne Fähigkeiten und setzt für die meisten davon eine Mindestzahl an Untersuchungen oder Eingriffen fest, die der angehende Augenarzt selbst durchgeführt und dokumentiert haben muss. Diese Mindestzahl zeigt, worin ein Augenarzt mit seinem Titel nachweislich geübt hat. Den Schwerpunkt legt die Ausbildung auf Diagnostik, Früherkennung und kleinere Eingriffe.
- 300 Aufnahmen der Netzhaut oder des Sehnervs mit einem bildgebenden Gerät, dazu 300 Prüfungen von Gesichtsfeld, Farbsinn oder Dämmerungssehen.
- 250 Sehtests und Brillenkorrekturen, 50 Kontaktlinsenanpassungen und 50 Sehtests bei Kindern im Vorschulalter.
- 150 Untersuchungen der gesamten Netzhaut bei Diabetes.
- Je 100 Früherkennungsuntersuchungen auf eine Sehschwäche bei Kindern (Amblyopie), auf einen erhöhten Augeninnendruck (grüner Star) und auf eine Erkrankung der Netzhautmitte, die scharfes Sehen kostet.
- 50 Lasereingriffe an der Netzhaut, 25 Spritzen von Medikamenten ins Auge und 25 Eingriffe beim grünen Star, etwa mit dem Laser.
- 50 Operationen an Lidern und Tränenwegen, 50 einfache Eingriffe an Bindehaut und Hornhaut, 10 Operationen an geraden Augenmuskeln.
- 25 Gutachten, zum Beispiel augenärztliche Führerscheingutachten.
Beim Grauen Star und beim Augenlasern verlangt die Ausbildung vor allem Diagnostik: den Grauen Star erkennen, die Notwendigkeit einer Operation einschätzen, bei komplexen Eingriffen mitwirken und Patienten danach weiterbetreuen. Eine eigene Mindestzahl für selbst durchgeführte Operationen des Grauen Stars oder für Augenlaser-Eingriffe verlangt die Ausbildung nicht. Das Gleiche gilt für Operationen an Netzhaut und Glaskörper, bei denen ebenfalls nur Mitwirkung verlangt wird.
Welche Bezeichnungen echt sind und was sie belegen
Nicht jede Bezeichnung an einer Praxistür hat dasselbe Gewicht. Ärzte dürfen vier Arten von Angaben ankündigen: Bezeichnungen aus der Ausbildung, Qualifikationen nach anderen öffentlichen Vorschriften, ausdrücklich gekennzeichnete Tätigkeitsschwerpunkte und organisatorische Hinweise. Eine Ausbildungsbezeichnung darf nur in der vorgesehenen Form geführt werden, andere Angaben dürfen nicht mit ihr verwechselt werden können.
Das Fachgebiet Augenheilkunde hat keinen eigenen Schwerpunkt in der Ausbildungsordnung. Bezeichnungen wie Netzhautchirurg, Spezialist für den grünen Star oder Kinderaugenarzt sind deshalb keine Ausbildungsbezeichnungen. Ein Arzt darf sie als Tätigkeitsschwerpunkt ankündigen, wenn er sie ausdrücklich so kennzeichnet und diese Tätigkeit nicht nur gelegentlich ausübt. Die Kammer darf dafür Nachweise verlangen.
| Bezeichnung | Wer sie vergibt oder zulässt | Was sie belegt | Wie Sie sie prüfen |
|---|---|---|---|
| Facharzt oder Fachärztin für Augenheilkunde, kurz Augenarzt | Landesärztekammer nach Ausbildung und Prüfung | 60 Monate Ausbildung mit Mindestzahlen, bestandene Prüfung | Arztsuche der KBV bei Kassenärzten, Impressum mit Kammer und Berufsbezeichnung, Praxisschild |
| Zusatzbezeichnung, zum Beispiel Medikamentöse Tumortherapie | Landesärztekammer nach zusätzlicher Ausbildung und Prüfung | Eine zusätzliche, geregelte Kompetenz neben dem Facharzt | Arztsuche der KBV mit Filter Zusatzbezeichnungen, Nachfrage bei der Kammer |
| Tätigkeitsschwerpunkt, zum Beispiel Operationen am Grauen Star | Der Arzt selbst; die Kammer kann Nachweise verlangen | Dass der Arzt die Tätigkeit nicht nur gelegentlich ausübt | Nach Fallzahlen fragen |
| Eintrag in der Anwenderliste für Augenlaser-Chirurgie | Fachkommission der Augenärzte-Gesellschaften | Facharzt, Kurse, Verpflichtung auf Qualitätsstandards | Liste auf der Website der Fachkommission |
| FEBO, Fellow of the European Board of Ophthalmology | Europäisches Prüfgremium nach bestandener Prüfung | Wissensprüfung auf europäischem Niveau, setzt die deutsche Anerkennung voraus | Nachfrage beim Arzt, Urkunde |
| Prüfsiegel privater Anbieter | Private Zertifizierer | Das, was der jeweilige Prüfkatalog umfasst | Prüfurkunde mit Datum und Prüfkatalog verlangen |
Was der europäische Titel FEBO zusätzlich zeigt
Das European Board of Ophthalmology ist eine Arbeitsgruppe der Augenheilkunde im europäischen Facharztverband der Fachgesellschaften. Es bietet eine europäische Facharztprüfung an. Zugelassen ist, wer in einem Land der Europäischen Union, in Norwegen, der Schweiz oder der Türkei als Facharzt für Augenheilkunde anerkannt ist oder kurz davor steht. Den Titel Fellow of the European Board of Ophthalmology, kurz FEBO, bekommt ein Kandidat erst, wenn er zusätzlich seine nationale Facharztanerkennung vorlegt.
Der FEBO ersetzt den deutschen Facharzttitel also nicht, er kommt hinzu. Er belegt eine zusätzliche, freiwillige Wissensprüfung. Über die Zahl der Operationen sagt er ebenso wenig aus wie der Facharzttitel selbst. Ein Arzt darf ihn nur so ankündigen, dass er nicht mit einer Ausbildungsbezeichnung verwechselt werden kann.
Für das Augenlasern gibt es eine eigene Anwenderliste bei der Fachkommission der Augenärzte-Gesellschaften. Wer darauf steht und wie Sie das prüfen, erklärt der Artikel zur seriösen Augenlaserklinik. Diese Liste gilt nur für Augenlasern. Für eine Operation des Grauen Stars helfen stattdessen die Fallzahlen einer Klinik und die Frage nach der Erfahrung des Operateurs.
Wie Sie den Facharzttitel in 5 Schritten prüfen
Am schnellsten prüfen Sie den Facharzttitel über die Arztsuche der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, wenn der Arzt Kassenpatienten behandelt. Dort stehen Fachgebiet und Zusatzbezeichnungen. Für Privatärzte und Klinikärzte hilft das Impressum der Praxis- oder Klinikwebsite: Dort müssen die zuständige Kammer, die gesetzliche Berufsbezeichnung, der Staat, der sie verliehen hat, und die berufsrechtlichen Regelungen stehen.
Ärzte aus anderen Staaten der Europäischen Union erhalten die deutsche Facharztbezeichnung auf Antrag, wenn ihr Ausbildungsnachweis nach EU-Recht automatisch anzuerkennen ist. Sie führen dann dieselbe Bezeichnung wie Ärzte mit deutscher Ausbildung. Für Nachweise aus anderen Staaten prüft die Kammer die Gleichwertigkeit.
- Lassen Sie sich den vollständigen Namen des Arztes nennen, der Sie untersucht oder operiert, nicht nur den Namen der Praxis oder des Zentrums.
- Suchen Sie den Namen in der Arztsuche der KBV und lesen Sie Fachgebiet und Zusatzbezeichnungen ab.
- Lesen Sie im Impressum der Website, welche Ärztekammer zuständig ist und welche Berufsbezeichnung angegeben wird.
- Prüfen Sie beim Augenlasern zusätzlich die Anwenderliste der Fachkommission.
- Fragen Sie bei jeder Operation, wie viele Eingriffe dieser Art der Arzt im Jahr selbst durchführt, und notieren Sie die Antwort.
Warum die Erfahrung des Operateurs mehr zählt als der Titel
Der Facharzttitel ist die Mindestvoraussetzung, kein Ausweis für einen bestimmten Eingriff. Alle Augenärzte haben dieselbe Grundausbildung in Diagnostik und Grundversorgung, doch wie viel sie operieren, lernen sie in unterschiedlichem Umfang, während und nach der Ausbildung. Für eine Routinekontrolle spielt das keine Rolle. Für eine Operation schon.
Drei Angaben machen den Unterschied sichtbar. Erstens die Zahl der Eingriffe, die der Operateur selbst im Jahr durchführt. Zweitens ein ausdrücklich angekündigter Tätigkeitsschwerpunkt, den ein Arzt nur führen darf, wenn er die Tätigkeit nicht nur gelegentlich ausübt. Drittens bei einer Klinik die Fallzahlen im amtlichen Klinik-Verzeichnis des Bundes. Die Fallzahl eines einzelnen Operateurs bekommen Sie dort nicht, das Verzeichnis nennt nur Angaben zu Krankenhäusern insgesamt. Wie Sie eine Praxis passend zu Ihrem Anliegen auswählen, erklärt der Artikel Augenarzt finden.
Geht es um eine Untersuchung, eine neue Brille, eine Früherkennung oder die Kontrolle einer bekannten Erkrankung?
Der Facharzttitel reicht. Genau diese Leistungen verlangt die Ausbildung mit eigenen Mindestzahlen.
Steht eine Operation an, zum Beispiel am Grauen Star, an der Netzhaut oder mit dem Laser an der Hornhaut?
Fragen Sie zusätzlich nach der Fallzahl des Operateurs, nach einem angekündigten Tätigkeitsschwerpunkt und beim Augenlasern nach dem Eintrag in der Anwenderliste.
Fragen Sie, ob die Praxis die Leistung selbst anbietet, etwa eine Sehschule für Kinder, oder an wen sie überweist.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Ausbildung zum Facharzt für Augenheilkunde?
Die Ausbildung zum Facharzt für Augenheilkunde dauert mindestens 60 Monate nach der staatlichen Zulassung zum Arztberuf, davon 12 Monate im Krankenhaus. Danach folgt eine mündliche Prüfung von mindestens 30 Minuten vor einem Ausschuss der Landesärztekammer. 2025 erhielten 404 Ärztinnen und Ärzte die Anerkennung.
Ist Augenarzt eine geschützte Bezeichnung?
Ja, Augenarzt ist die vorgesehene Kurzform des Titels Facharzt für Augenheilkunde. Führen darf sie nur, wer die Ausbildung abgeschlossen und die Prüfung vor der Landesärztekammer bestanden hat. Andere Qualifikationen dürfen nicht so angekündigt werden, dass sie mit dieser Bezeichnung verwechselt werden können.
Hat jeder Facharzt für Augenheilkunde Erfahrung mit Operationen am Grauen Star?
Nein, der Titel setzt dafür keine Mindestzahl an selbst durchgeführten Operationen voraus, sondern Diagnostik, die Einschätzung der Notwendigkeit und die Mitwirkung an solchen Eingriffen. Operationserfahrung sammeln Augenärzte in unterschiedlichem Umfang während und nach der Ausbildung. Fragen Sie deshalb den Operateur, wie viele solcher Operationen er selbst im Jahr durchführt.
Was bedeutet FEBO hinter dem Namen eines Augenarztes?
FEBO steht für Fellow of the European Board of Ophthalmology. Den Titel bekommt ein Augenarzt, der eine europäische Facharztprüfung bestanden hat und zusätzlich seine nationale Facharztanerkennung nachweist. Er belegt eine freiwillige Wissensprüfung auf europäischem Niveau, ersetzt aber nicht den deutschen Facharzttitel und sagt nichts über die Zahl der Operationen.
Gibt es einen Facharzt für Netzhautchirurgie oder für Kinderaugenheilkunde?
Nein, eine eigene Facharzt- oder Schwerpunktbezeichnung dafür gibt es nicht, das Fachgebiet Augenheilkunde kennt keinen Schwerpunkt. Ein Augenarzt darf solche Bereiche als ausdrücklich gekennzeichneten Tätigkeitsschwerpunkt ankündigen, wenn er sie nicht nur gelegentlich ausübt.
Wie prüfe ich, ob ein Arzt Facharzt für Augenheilkunde ist?
Bei Kassenärzten zeigt das die Arztsuche der Kassenärztlichen Bundesvereinigung mit Fachgebiet und Zusatzbezeichnungen. Bei Privatpraxen nennt das Impressum die zuständige Ärztekammer und die gesetzliche Berufsbezeichnung. Im Zweifel fragen Sie bei dieser Kammer nach.
