Drei Praxisarten und was sie für Ihre Rechnung bedeuten
Augenärztliche Behandlung bekommen Sie an drei Arten von Adressen: in einer Kassenpraxis, in einem Medizinischen Versorgungszentrum, kurz MVZ, oder in einer Privatpraxis. Eine Kassenpraxis und ein MVZ behandeln Sie mit Ihrer Versichertenkarte und rechnen direkt mit Ihrer Krankenkasse ab. Dafür braucht der Arzt eine Zulassung, und diese Zulassung verpflichtet ihn zugleich, gesetzlich Versicherte zu behandeln. Bundesweit arbeiteten Ende 2025 genau 7.030 Augenärzte ambulant.
Ein MVZ ist eine Praxis, die von mehreren Ärzten oder von einem Träger wie einem Krankenhaus geführt wird. Ende 2024 waren 2.482 Augenärzte in einem MVZ mit Augenheilkunde angestellt oder als Vertragsarzt tätig, eine eigene, etwas ältere Zählung als die Gesamtzahl oben. Meist arbeiten dort angestellte Ärzte statt Praxisinhaber, und die Leitung entscheidet über Geräte, Öffnungszeiten und Personal. Für Sie als Patient ändert das an der Abrechnung nichts, nur die Person, die Sie behandelt, wechselt in einem MVZ häufiger als in einer kleinen Praxis.
Eine Privatpraxis hat keine Kassenzulassung. Sie zahlen dort jede Leistung selbst, nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), der Liste, nach der Praxen Privatleistungen abrechnen. Haben Sie eine private Krankenversicherung, reichen Sie die Rechnung dort ein. Sind Sie gesetzlich versichert, bekommen Sie Ihr Geld in aller Regel nicht zurück, außer Sie haben eine Erstattung vorher mit Ihrer Kasse vereinbart.
| Praxisart | Wer dort behandelt wird | Wie die Praxis abrechnet | Woran Sie die Praxisart erkennen |
|---|---|---|---|
| Kassenpraxis (Einzel- oder Gemeinschaftspraxis) | Gesetzlich Versicherte mit Versichertenkarte, Privatversicherte, Selbstzahler | Leistungen der Kasse rechnet die Praxis direkt mit der Kasse ab, Privatleistungen zahlen Sie selbst | Eintrag in der Arztsuche der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Sprechzeiten auf dem Praxisschild, Name des Inhabers |
| Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) | Wie die Kassenpraxis | Wie die Kassenpraxis, die Rechnung kommt vom Träger der Praxis | Zusatz MVZ im Namen, ärztlicher Leiter, meist mehrere angestellte Ärzte |
| Privatpraxis ohne Kassenzulassung | Privatversicherte, Beihilfeberechtigte, Selbstzahler | Jede Leistung zahlen Sie selbst, nach der GOÄ | Kein Eintrag in der Arztsuche der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Hinweis Privatpraxis oder Privatsprechstunde auf Schild und Website |
Welche Praxis zu Ihrem Anliegen passt
Für eine Routineuntersuchung, eine neue Brille oder die jährliche Kontrolle bei Diabetes passt jede Augenarztpraxis in Ihrer Nähe. Jeder Facharzt für Augenheilkunde hat das in seiner Ausbildung gelernt: Brillenwerte bestimmen, den Augeninnendruck messen, den Augenhintergrund untersuchen. Was diese Ausbildung sonst noch verlangt, erklärt der Artikel zum Facharzt für Augenheilkunde.
Bei vier Anliegen reicht die nächstbeste Praxis oft nicht. Eine Laserklinik ist fast immer eine reine Selbstzahler-Adresse: Augenlasern zahlt die Kasse nicht, deshalb arbeiten manche dieser Praxen ganz ohne Kassenzulassung und behandeln keine anderen Augenkrankheiten. Ob ein Laseranbieter seriös arbeitet, prüfen Sie im Artikel zur seriösen Augenlaserklinik.
Ein Kind mit Schielen oder einer Sehschwäche gehört in eine Praxis mit eigener Sehschule. Dort arbeitet eine Orthoptistin, ein eigener Ausbildungsberuf für die Untersuchung und Behandlung von Kindern. Fragen Sie am Telefon ausdrücklich, ob die Praxis eine Sehschule hat, denn nicht jede Augenarztpraxis bietet sie an.
Kontaktlinsen passt ebenfalls nicht jede Praxis selbst an. Manche überweisen dafür an einen Kontaktlinsenspezialisten oder einen Augenoptiker. Fragen Sie deshalb direkt, ob die Praxis Kontaktlinsen anpasst und regelmäßig kontrolliert, wenn Sie darauf angewiesen sind.
Eine Operation des Grauen Stars macht eine Praxis nur, wenn sie einen eigenen Operationssaal hat oder mit einem Zentrum oder einer Klinik zusammenarbeitet. Fragen Sie, wie viele solcher Operationen die Praxis oder der Operateur im Jahr durchführt.
Ein Notfall gehört noch am selben Tag in eine Praxis oder Klinik: plötzliche Lichtblitze, ein dunkler Schatten im Blickfeld, ein Schwarm neuer Punkte oder starke Augenschmerzen. Außerhalb der Sprechzeiten vermittelt die bundesweite Rufnummer 116117 eine Notfallpraxis.
- Fragen Sie am Telefon nach der Untersuchung, nicht nur nach dem Fachgebiet: Kontrollieren Sie die Netzhaut bei Diabetes? Haben Sie eine Sehschule für Kinder? Passen Sie Kontaktlinsen an? Operieren Sie den Grauen Star selbst?
- Fragen Sie, wer Sie behandelt. In einem MVZ oder einer großen Praxis wechselt der Arzt zwischen den Terminen, wenn Sie nicht ausdrücklich denselben verlangen.
- Fragen Sie nach der Wartezeit für Ihr Anliegen. Eine Kontrolle ohne Beschwerden wartet oft länger als ein akutes Problem.
- Fragen Sie, ob die Praxis Ihre Versicherung annimmt. Bei einer Privatpraxis zahlen gesetzlich Versicherte selbst.
- Fragen Sie nach Aufzug, Stufen und Parkplatz, wenn Sie schlecht zu Fuß sind oder nach der Untersuchung abgeholt werden müssen.
Wie Ihnen die Arztsuche der KBV die passende Praxis zeigt
Die Arztsuche der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) unter arztsuche.116117.de führt jede Praxis, die Kassenpatienten behandelt. Sie filtern dort nach Fachgebiet, Barrierefreiheit, Sprechzeiten, offener Sprechstunde, Fremdsprachen und Zusatzbezeichnungen. Die Angaben zur Barrierefreiheit kommen aus einem amtlichen Register, die übrigen melden die Praxen selbst. Niemand prüft diese Angaben auf Aktualität, deshalb lohnt ein kurzer Anruf vor dem ersten Termin.
Zwei Angaben helfen bei Augenarztpraxen besonders. Erstens die offene Sprechstunde: Augenärzte müssen einen Teil ihrer wöchentlichen Sprechstunden ohne Terminvereinbarung anbieten, und die Suche weist diese Zeiten gesondert aus. Zweitens die Zusatzbezeichnungen, die die Ärztekammer verliehen hat. Was ein Facharzttitel und eine Zusatzbezeichnung wert sind, erklärt der Artikel zum Facharzt für Augenheilkunde.
Privatpraxen fehlen in dieser Suche, weil sie keine Kassenpatienten behandeln. Für sie hilft die Arztsuche Ihrer Landesärztekammer, die jede zugelassene Ärztin und jeden zugelassenen Arzt mit den verliehenen Bezeichnungen führt.
- Schreiben Sie Ihr Anliegen in einem Satz auf, zum Beispiel: Ich brauche eine Netzhautkontrolle wegen Diabetes, gesetzlich versichert, ohne Auto.
- Öffnen Sie die Arztsuche unter arztsuche.116117.de, wählen Sie das Fachgebiet Augenheilkunde und Ihren Ort.
- Setzen Sie die Filter, die für Sie zählen: offene Sprechstunde, Barrierefreiheit, Fremdsprache, Zusatzbezeichnung.
- Notieren Sie drei Praxen mit passenden Sprechzeiten und prüfen Sie auf deren Website, ob sie Ihre Untersuchung anbieten.
- Rufen Sie an und stellen Sie Ihre Fragen. Fragen Sie bei einer Privatpraxis ausdrücklich, wie die Praxis abrechnet.
- Vereinbaren Sie den Termin und lassen Sie sich sagen, was Sie mitbringen sollen: Versichertenkarte, Brille, Brillenpass, Medikamentenliste, alte Befunde.
- Bekommen Sie binnen vier Wochen keinen Termin, rufen Sie die Terminservicestelle unter 116117 an. Für den Augenarzt brauchen Sie dort keine Überweisung.
Was beim Wechsel des Augenarztes gilt
Als gesetzlich Versicherter dürfen Sie unter allen zugelassenen Augenärzten und MVZ frei wählen, auch weit weg von Ihrem Wohnort. Eine Überweisung brauchen Sie für den Augenarzt nicht.
Wechseln Sie den Arzt innerhalb desselben Vierteljahres, soll dafür ein wichtiger Grund vorliegen. Eine Strafe droht Ihnen dafür aber nicht. Ein solcher Grund liegt zum Beispiel vor, wenn Sie umziehen, das Vertrauen verloren haben oder die Praxis Ihre Untersuchung nicht anbietet. Auch für eine zweite Meinung vor einer Operation dürfen Sie deshalb einfach einen zweiten Augenarzt aufsuchen; wer sie bezahlt, erklärt der Artikel zur Zweitmeinung vor einer Augenoperation.
Wählen Sie eine Privatpraxis, gilt die freie Wahl nur wirtschaftlich anders: Sie dürfen hingehen, zahlen aber jede Leistung selbst. Eine nachträgliche Erstattung durch Ihre Kasse müssen Sie vorher mit ihr vereinbaren. Sie bindet Sie dann für mehrere Monate und deckt höchstens den Betrag, den ein Kassenarzt bekommen hätte.
Wann eine Augenklinik die bessere Adresse ist
Eine Augenklinik brauchen Sie, wenn die Behandlung eine stationäre Aufnahme, eine Vollnarkose oder ein Team aus mehreren Fachrichtungen verlangt. Das betrifft zum Beispiel Operationen an der Netzhaut, schwere Verletzungen, Tumoren, einen schweren grünen Star (einen erhöhten Druck im Auge, der den Sehnerv schädigt) oder Operationen bei kleinen Kindern. Bietet keine Praxis vor Ort die nötige Untersuchung an, überweist Sie Ihr Augenarzt an eine Klinikambulanz.
Für die Wahl einer Klinik gibt es eine amtliche Quelle im Internet, den Bundes-Klinik-Atlas. Er nennt je Krankenhaus die Fallzahlen nach Behandlungsart, die personelle Ausstattung, Ergebnisse aus der Qualitätssicherung, Qualitätssiegel und die Notfallstufe. Für eine planbare Augenoperation ist die Fallzahl der Klinik die wichtigste dieser Angaben.
Haben Sie plötzlich Lichtblitze, einen Schatten im Blickfeld, starke Schmerzen oder eine Verletzung?
Das ist ein Notfall. Gehen Sie noch heute in eine Augenarztpraxis oder Augenklinik. Außerhalb der Sprechzeiten hilft die 116117 oder die Notaufnahme einer Augenklinik weiter.
Steht eine Operation an, die eine Vollnarkose, einen Klinikaufenthalt oder mehrere Fachrichtungen braucht?
Dann ist eine Augenklinik richtig. Prüfen Sie die Fallzahlen im Bundes-Klinik-Atlas und lassen Sie sich von Ihrem Augenarzt überweisen.
Sind Sie gesetzlich versichert und möchten mit der Versichertenkarte behandelt werden?
Dann passt eine Kassenpraxis oder ein MVZ aus der Arztsuche der KBV, gefiltert nach Ihrer Untersuchung, Sprechzeit und Barrierefreiheit.
Dann kommt jede Praxis infrage, auch eine Privatpraxis. Verlangen Sie vorher die schriftliche Information über das voraussichtliche Honorar.
Was Bewertungen zeigen und was sie verschweigen
Bewertungsportale sammeln Meinungen zu Wartezeit, Freundlichkeit und Gesprächsdauer. Diese Eindrücke sind echt, sie messen aber keine Behandlungsergebnisse. Für die Qualität einer Klinik bleiben die Fallzahlen aus dem Bundes-Klinik-Atlas die verlässlichere Quelle, für die Qualifikation des Arztes das amtliche Arztregister.
Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass ein Bewertungsportal Ärzte nur dann gegen ihren Willen listen darf, wenn es neutral bleibt. Ein Portal hatte zahlenden Ärzten ein Profil ohne sichtbare Konkurrenten verkauft und musste eine Ärztin auf deren Wunsch aus der Liste nehmen. Lesen Sie Bewertungen deshalb als Stimmung, nicht als Rangliste, und prüfen Sie, ob ein Portal bezahlte Profile anders darstellt als unbezahlte.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer Augenarztpraxis und einem MVZ?
Ein Medizinisches Versorgungszentrum, kurz MVZ, ist eine Praxis, in der meist mehrere angestellte Augenärzte arbeiten, oft unter einem Träger wie einem Krankenhaus. Eine gewöhnliche Kassenpraxis gehört dagegen den dort tätigen Ärzten selbst. Für Sie als Kassenpatient läuft die Abrechnung in beiden Fällen über die Versichertenkarte. Ende 2024 arbeiteten 2.482 Augenärzte in einem MVZ mit Augenheilkunde.
Kann ich als Kassenpatient in eine private Augenarztpraxis gehen?
Ja, Sie dürfen als gesetzlich Versicherter jede Privatpraxis aufsuchen, zahlen dort aber die Rechnung selbst. Eine Erstattung durch Ihre Kasse hilft nur, wenn Sie sie vorher mit der Kasse vereinbart haben, und sie deckt höchstens den Betrag, den ein Kassenarzt bekommen hätte.
Darf ich den Augenarzt innerhalb eines Vierteljahres wechseln?
Ja, das dürfen Sie. Ein wichtiger Grund soll dafür vorliegen, etwa nach einem Umzug, bei verlorenem Vertrauen oder wenn die Praxis Ihre Untersuchung nicht anbietet, eine Strafe sieht das Gesetz aber nicht vor. Auch für eine zweite Meinung vor einer Operation dürfen Sie deshalb einfach einen zweiten Augenarzt aufsuchen.
Wie finde ich eine Augenarztpraxis mit offener Sprechstunde?
In der Arztsuche der Kassenärztlichen Bundesvereinigung unter arztsuche.116117.de gibt es den Filter offene Sprechstunde. Augenärzte müssen einen Teil ihrer Sprechstunden ohne Terminvereinbarung anbieten, und die Suche weist diese Zeiten gesondert aus. Rufen Sie trotzdem vorher an, weil die Praxen die Zeiten selbst melden.
Woran erkenne ich, ob eine Augenarztpraxis Kontaktlinsen anpasst oder Kinder behandelt?
Am schnellsten am Telefon: Fragen Sie direkt, ob die Praxis Kontaktlinsen anpasst oder eine eigene Sehschule für Kinder hat. Nicht jede Augenarztpraxis bietet beides an, manche überweisen dafür weiter. Auf der Website der Praxis stehen solche Schwerpunkte oft unter der Rubrik Leistungen.
Woran erkenne ich, ob eine Augenarztpraxis den Grauen Star selbst operiert?
Eine operierende Praxis nennt auf ihrer Website und auf dem Praxisschild ihren eigenen Operationssaal oder die Klinik, mit der sie zusammenarbeitet. Fragen Sie zusätzlich nach der Zahl der Eingriffe im Jahr und danach, wer operiert und wer die Nachkontrolle übernimmt.
